Warum Kinderfotografie oft für Eltern entsteht – und nicht für Kinder
- Sascha John
- 18. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Jan.

Magst du deine eigenen Kinderbilder?
Wenn du so alt bist wie ich, hast du vermutlich nicht viele davon.
Und wenn doch, dann waren es meist Bilder, die andere von dir mochten – nicht unbedingt du selbst.
Die Technik hat sich verändert. Heute entstehen unzählige Bilder.
Und genau deshalb möchte ich dich zu einem kleinen Perspektivwechsel einladen.
Ein Gedanke aus meiner eigenen Erfahrung
In meiner Zeit als Kita-Fotograf gab es einen Moment, der mir rückblickend besonders nahegegangen ist.
Nicht das Feedback der Eltern. Sondern das der Kinder.
Manche Eltern sagten mir:
„Mein Kind liebt die Bilder.“
Und genau diese Aussage kam nicht zufällig. Diese Eltern hatten eines gemeinsam: Sie bezogen ihre Kinder in die Bildauswahl mit ein.
Was dabei oft unbewusst passiert
Wenn Eltern Bilder auswählen, treffen sie eine Entscheidung.
Nicht nur über Ästhetik oder Erinnerung.
Sondern über das Selbstbild ihres Kindes.
Kinder lernen über Bilder, wie ihre Eltern sie sehen – oder sehen möchten.
Doch das entspricht nicht immer der inneren Realität des Kindes.
Natürlich wollen Eltern Erinnerungen festhalten. Zeit bewahren. Momente einfrieren.
Das ist zutiefst menschlich. Gleichzeitig wird dabei oft übersehen, welche Kraft Bilder wirklich haben.
Bilder wirken – auch dann, wenn wir es nicht beabsichtigen
Ein Bild ist nicht nur Erinnerung.
Es ist Spiegel.
Es ist Botschaft.
Wenn Kinder ihre Bilder selbst auswählen, passiert etwas anderes:
• Sie fühlen sich gesehen
• sie erkennen sich wieder
• sie entwickeln ein eigenes Gefühl für sich selbst
Und genau deshalb lieben sie diese Bilder oft noch Jahre später. Immer begleitet mit der Erkenntnis: „Ja, so war ich.“
Heute schwingt oft die Botschaft der Eltern bei der Auswahl mit. So würde ich dich gerne sehen.
Ich habe unzählige Kinder fotografiert und gedanklich die Bildauswahl mit dem realen Ich der Kinder verglichen. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum ich mich aus der Massenfotografie verabschiedet habe.
Für starke Kinderbilder braucht es einfach mehr Zeit.

Ein sanfter Tipp für den Alltag
Beziehe dein Kind immer in den Auswahlprozess mit ein.
Wenn die Auswahl groß ist, hilft eine einfache Methode:
Der paarweise Vergleich.
Hierbei handelt es sich um eine Auswahltechnik der Psychologie. Sie klingt so banal einfach und doch zeigt sie ein erstaunliches starkes Ergebnis.
Zeigt immer zwei Bilder nebeneinander.
Das Kind entscheidet, welches sich stimmiger anfühlt.
Dann das nächste Paar. Stellt Euch die Bildauswahl wie ein Turnierbaum im Sport vor. Es treten die Besten der Besten an und am Ende gibt es einen Sieger. Kinder können das erstaunlich gut erfassen, wenn ihr die Methaper aus dem Sport nutzt. Die Frage lautet dann immer, welches Bild gewinnt das Duell.
So wird die Auswahl kleiner – und gleichzeitig emotional relevanter.
Zum Schluss
Kinderfotografie darf Erinnerung sein.
Aber sie kann so viel mehr. Sie kann ein erster, leiser Baustein für Selbstwahrnehmung sein.
Nicht laut.
Nicht perfekt.
Aber ehrlich.
Ein Spiegel gehört nicht in eine Schublade. Wenn ihr ein Bild gefunden habt, dann macht es sichtbar.
Dazu empfehle ich dir den folgenden Blogbeitrag:






Kommentare