Wie Kinder durch Bilder Erinnerungen verankern – der Memotion-Ansatz
- Sascha John
- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Ich erinnere mich noch genau an meine Kindheit.
Fotografie war damals etwas Besonderes.
Kameras gab es zwar – aber Filme waren teuer.
Bilder an die Wand zu bringen war kein Selbstverständnis, sondern meist mit einem Besuch beim Fotografen verbunden. Und der war ebenfalls nicht günstig.
Wenn ich morgens aufwachte, fiel mein Blick auf die Wände meines Zimmers.
Dort hingen keine Bilder von mir.
Keine Bilder meiner Familie.
Sondern Bravo-Poster.
Stars. Musiker. Sportler. Menschen, die scheinbar alles erreicht hatten.
Ich lag oft noch eine Weile im Bett und starrte auf diese Wand.
Und stellte mir vor, wie es wäre, selbst ein Star zu sein.
Gesehen zu werden. Bedeutend zu sein.
Heute denke ich manchmal darüber nach, was gewesen wäre,
wenn dort Bilder von mir selbst gehangen hätten.
Oder von meiner Familie.
Von Momenten, die mich wirklich gezeigt hätten.
Was hätte das verändert?
Heute weiß ich:
Das wären nicht einfach nur Bilder an der Wand gewesen.
Es wäre eine Investition in mein Selbstbewusstsein gewesen.
Wenn ich mich selbst so betrachtet hätte,
wie ich diese Stars betrachtet habe –
was hätte das mit mir gemacht?
Ich glaube, genau hier beginnt Selbstliebe.
Und genau hier beginnt auch Memotion.
Warum Erinnerungen für Kinder so entscheidend sind
Es gibt Erinnerungen, von denen wir glauben, dass wir sie nie vergessen werden –
und dennoch verschwinden sie irgendwann im Nebel des Alltags.
Und dann gibt es die anderen Erinnerungen:
jene, die tief in uns verankert sind und uns unser ganzes Leben begleiten.
Für Kinder sind diese verankerten Erinnerungen besonders wichtig.
Sie formen nicht nur ihr Selbstbild, sondern beeinflussen auch Selbstvertrauen, Mut, Identität und Beziehungen.
Genau darum geht es bei Memotion:
Wie Bilder zu emotionalen Ankern werden – besonders für Kinder.
Doch wie entstehen solche Erinnerungen überhaupt?
Und welche Rolle spielen sichtbare Bilder dabei?
Memotion verbindet genau das: Memory und Emotion.
Die Kraft sichtbarer Erinnerungen
Kinder wachsen heute in einer Welt voller Bilder auf –
doch paradoxerweise gehen genau diese Bilder oft verloren.
Sie verschwinden in überfüllten Handy-Galerien, in ungenutzten Cloud-Ordnern oder werden gar nie mehr angeschaut.
Das Problem ist nicht die Menge der Bilder.
Sondern die fehlende Sichtbarkeit.
Kinder brauchen Bilder, die sie täglich sehen –
nicht Bilder, die irgendwo existieren.
Sichtbare Bilder tun etwas Entscheidendes:
Sie aktivieren das Unterbewusstsein – das Zentrum emotionaler Verbindungen.
Ein Bild an der Wand im Kinderzimmer wirkt wie ein stiller Begleiter:
Es erinnert
Es stärkt
Es beruhigt
Es motiviert
Es verbindet
Es gibt Halt
Dieses Prinzip kennen wir intuitiv von uns selbst.
Bei Kindern wirkt es noch stärker.
Warum Erinnerungen sichtbar sein müssen – und nicht nur digital
Digitale Bilder lösen selten nachhaltige Gefühle aus.
Sie sind unsichtbar, ungreifbar, austauschbar.
Sichtbare Bilder hingegen sagen:
„Das ist wichtig.“
„Das gehört zu dir.“
„Das bist du.“
Ein Wandbild im Kinderzimmer ist viel mehr als Dekoration.
Es ist ein emotionaler Anker.
Und genau hier beginnt der Memotion-Ansatz.
Was im Kopf eines Kindes passiert, wenn es täglich das gleiche Foto sieht
Es passiert still – aber mächtig.
1. Wiederholung schafft Bedeutung
Durch tägliches Sehen wird aus einer Momentaufnahme eine feste Erinnerung.
2. Erinnerung stärkt das Selbstvertrauen
Kinder, die sich selbst mutig, frei oder konzentriert sehen, übernehmen dieses Bild innerlich.
3. Beziehungen werden gestärkt
Bilder von Freunden erinnern daran, wie wertvoll ihre Verbindung ist.
4. Motivation entsteht unbewusst
Ein Kind, das ein Foto vom BMX-Fahren sieht, bekommt den Impuls:
„Darauf habe ich wieder Lust.“
Ganz ohne bewusst darüber nachzudenken.
5. Bilder geben Stabilität in Veränderungen
Gerade bei Übergängen – etwa beim Wechsel auf eine neue Schule – können sichtbare Erinnerungen Halt geben.
Das ist keine Theorie.
Ich erlebe es seit Jahren praktisch bei nahezu jedem Shooting mit

Ein aktuelles Beispiel: das BMX-Freundeshooting
Vor kurzem durfte ich Oskar, Carlo und Jona begleiten –
drei Freunde, verbunden durch ihre Leidenschaft für BMX.
Sie sind in der 6. Klasse, ihre Wege trennen sich im nächsten Jahr.
Die Eltern standen bewusst etwas abseits.
Die Jungs hatten Raum, einfach sie selbst zu sein.
Genau dadurch entstanden die Bilder, die wirken:
ehrlich, frei, wild, mutig – und voller echter Freundschaft.
Nach dem Shooting habe ich mich mit ihnen hingesetzt und ihnen erklärt, warum diese Bilder wichtig sind:
„Wenn ihr ein Bild von heute in eure Zimmer hängt, erinnert es euch jeden Tag daran, was euch verbindet.“
„Vielleicht seid ihr bald auf verschiedenen Schulen – aber dieses Bild sorgt dafür, dass ihr euch trotzdem trefft.“
„Ein sichtbares Bild ist wie ein kleiner Anstoß für eure Freundschaft.“
Ihr Unterbewusstsein macht dann den Rest.
Dazu habe ich noch einen eigenen Blogbeitrag geschrieben.
Warum Kinder ihre Bilder selbst auswählen müssen
Ein zentraler Teil des Memotion-Systems ist:
Kinder wählen ihre Bilder selbst.
Nicht die Eltern.
Nicht der Fotograf.
Denn diese Bilder sind für ihre Identität – nicht für das Wohnzimmer.
Wenn ein Kind selbst entscheidet, welches Bild es stärkt oder berührt,
dann ist dieses Bild nicht einfach „schön“.
Es ist emotional relevant.
Es ist ihr Moment.
Ihre Erinnerung.
Ihre Geschichte.
Memotion: Mehr als Fotografie
Memotion ist kein Fotografie-Stil.
Es ist ein Ansatz, der Bilder bewusst nutzt, um Emotionen zu stärken.
Das Ziel ist immer dasselbe:
Kinder emotional zu stärken – durch sichtbare Erinnerungen, die sie prägen.
Fazit: Erinnerungen bleiben, wenn wir sie sichtbar machen
Ein sichtbares Bild kann verändern:
Mut geben
Freundschaften stärken
Identität formen
Übergänge erleichtern
Kindheit bewahren
Vielleicht hätte ein Bild an meiner Wand früher etwas verändert.
Heute weiß ich:
Für Kinder von heute können wir diesen Unterschied bewusst machen.
Und genau darum geht es bei Memotion.






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