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Warum Kinder ihre Bilder selbst auswählen sollten

  • vor 21 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
Ein Portrait eines Mädchens. Sie hat das Bild selbst ausgewählt.
Ein Bild aus meinen Anfängen. Das war ihr Lieblingsbild.

Ein Kind wählt sein Lieblingseis selbst aus. Warum also nicht auch sein Lieblingsbild? Diese Frage begleitet mich seit meinen Anfängen in der Kinderfotografie. Sie klingt banal, fast selbstverständlich, und doch hat sie mein Denken über diese Art der Fotografie grundlegend verändert.


Stell dir vor, wir machen gemeinsam ein professionelles Fotoshooting. Es entstehen viele schöne Aufnahmen, aus denen du später zehn digitale Bilder auswählen darfst. Ein paar Tage danach melde ich mich bei dir und erkläre dir, dass ich die Auswahl bereits für dich getroffen habe. Ich schicke dir zehn Bilder zur Ansicht. Wie würde sich das für dich anfühlen?


Ein gebrochenes Versprechen


In meinen Kinderfotoshootings habe ich diese Situation über Jahre hinweg immer wieder erlebt. Um für die Eltern ein ansprechendes Ergebnis zu erzielen, habe ich den Kindern häufig ein Versprechen gegeben: Zum Schluss machen wir Bilder, auf die ihr Lust habt. Dieser Moment veränderte oft alles. Die Kinder waren plötzlich bei sich, die Energie stieg, sie fühlten sich ernst genommen und gesehen. Zum ersten Mal im gesamten Shooting hatten sie Einfluss darauf, wie sie gezeigt werden wollten.


Und dann kam der Moment nach dem Shooting. Die Bilder, die die Kinder sich gewünscht hatten, wurden so gut wie nie bestellt. Rückblickend berührt mich das bis heute. Nicht, weil die Eltern etwas falsch machen wollten, sondern weil ich gemerkt habe, dass ich selbst ein Versprechen gebrochen hatte. Das Versprechen, dass ihre Bilder zählen würden.


Kinder lernen, Entscheidungen zu treffen


Ein Eis ist schnell gegessen. Ein Bild an der Wand bleibt. Und es wirkt weiter, Tag für Tag, oft ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Dennoch zögern viele Erwachsene, Kinder in diesen Auswahlprozess einzubeziehen. Vielleicht, weil wir glauben, dass sie die Verantwortung noch nicht tragen können. Dabei ist gerade diese Entscheidung eine wertvolle Erfahrung.


Wenn Kinder an der Bildauswahl beteiligt werden, fühlen sie sich ernst genommen. Sie entwickeln ein eigenes Verhältnis zu Bildern und beginnen, bewusster hinzuschauen. Ein Fotoshooting verliert den Charakter eines Pflichttermins und wird zu einem gemeinsamen Prozess. Kinder achten dabei nicht auf technische Perfektion oder klassische Ästhetik. Sie entscheiden nach Gefühl. Sie wählen das Bild, in dem sie sich selbst erkennen.


In meinen Shootings zeige ich den Kindern zwischendurch immer wieder die entstandenen Aufnahmen. Ich beobachte ihre Reaktionen, ihre Mimik, ihr Zögern oder ihr sofortiges Wiedererkennen. In diesen Momenten spüre ich oft sehr klar, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Denn Kinderfotos sind nicht nur Erinnerungen für uns Eltern. Es sind auch Erinnerungen für die Kinder selbst.


Ein erster Schritt zur Veränderung des Selbstbildes


Hängen im Kinderzimmer bereits Bilder deines Kindes an der Wand? Wenn nicht, kann ein kleiner Schritt viel bewirken. Erstelle einen Ordner mit Bildern deines Kindes, mit Bildern der Familie, mit Bildern von Freunden. Lege eine begrenzte Anzahl fest und überlasse deinem Kind die Auswahl. Wenn es ihm schwerfällt, sich zu entscheiden, kann ein paarweiser Vergleich helfen. Zwei Bilder, eines bleibt.


Bestellt die ausgewählten Bilder gemeinsam und hängt sie zusammen im Zimmer auf. Dadurch verändert sich nicht nur der Blick auf Fotografie, sondern auch die Bedeutung dieser Bilder. Sie werden zu etwas Eigenem. Etwas, das mitentschieden wurde. Kinder brauchen später nicht tausende Bilder. Sie brauchen die richtigen. Und sie lernen durch diesen Prozess früh, Entscheidungen zu treffen – eine Fähigkeit, die weit über Fotografie hinausgeht.


Ein persönlicher Gedanke


Auch ich habe als Vater lange nicht gesehen, wie sehr Bilder wirken. Ich habe entschieden, organisiert und ausgewählt, ohne meine Kinder wirklich einzubeziehen. Erst als ich mich intensiver mit der Wirkung von Bildern beschäftigt habe, hat sich mein Blick verändert. Genau aus dieser Erkenntnis heraus ist Memotion Friends entstanden. Nicht als Produkt, sondern als Haltung. Damit Kinder früh lernen, für sich zu entscheiden. Für das, was sie zeigen möchten. Und für das, was bleibt.


Ein Bild aus einem damaligen Geschwistershooting. Der Spaß steht hier im Vordergrund. Das Mädchen boxt ihren Bruder spaßhaft ins Gesicht.
Lange her. Aber die Philosophie bleibt die gleiche.

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