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Warum es nicht reicht, Kinder ihre Bilder auswählen zu lassen

  • vor 13 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
Junge in blauer Jacke und Shirt zeigt mit Fingern, zwinkert und lächelt im Freien. Heitere Stimmung, unscharfer Hintergrund.

Viele Eltern glauben, dass es ausreicht, wenn Kinder ihre Bilder selbst auswählen. Man zeigt ihnen die Fotos, scrollt gemeinsam durch und sagt:


„Such dir dein Lieblingsbild aus.“


Auf den ersten Blick wirkt das richtig. Das Kind darf entscheiden, wird einbezogen und bekommt eine Stimme.

Doch genau an diesem Punkt beginnt etwas, das oft übersehen wird.


Wenn Kinder anders entscheiden, als wir erwarten


In meinen Shootings habe ich immer wieder erlebt, dass Kinder ganz anders auswählen, als wir es erwarten würden.

Ein Shooting ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Ich wusste anfangs selbst nicht, welches Bild dieses Kind wirklich zeigt. Bei vielen Kindern gelingt es schnell, sie in einen Zustand zu bringen, in dem sie stolz sind – oder eine Vision zu entwickeln, in der sie sich wiederfinden.

Doch dieser Junge war anders. Er hat den ganzen Tag Quatsch gemacht.

Also stellte ich ihm eine Frage:


„Was wäre, wenn du später Comedian wirst?“


Die Mutter winkte sofort ab. „Na hoffentlich nicht.“

Doch genau das hat mich stutzig gemacht.

Denn wenn man ehrlich hinschaut, war genau das sein Wesen.

Seine Energie.

Sein Ausdruck.

Also bin ich genau dort geblieben.

Ich habe ihn in diesen Gedanken geführt. Habe ihn sich vorstellen lassen, wie er auf einer großen Bühne steht.

Und plötzlich veränderte sich etwas.

Er war nicht mehr angepasst. Nicht mehr „so, wie man sein sollte“.

Er war einfach er selbst.

Und genau in diesem Moment entstand das Bild, das ihn wirklich zeigt.


Denn die entscheidende Frage ist nicht, welches Bild einem Kind am besten gefällt.


Die entscheidende Frage ist: In welchem Zustand trifft es diese Entscheidung?


Warum Eltern den Moment unbewusst beeinflussen


Und noch etwas fällt dabei immer wieder auf:

Sobald Eltern daneben stehen, verändert sich die Entscheidung.

Kinder schauen zu ihren Eltern. Suchen unbewusst nach einer Reaktion. Nach einem kleinen Zeichen.

Und oft entscheiden sie dann nicht wirklich für sich.Sondern für das, was sich in diesem Moment „richtig“ anfühlt.

Für die Eltern.


Warum ich diesen Moment bewusst trenne


Deshalb trenne ich diesen Moment ganz bewusst.

Nicht, weil Eltern etwas falsch machen. Sondern weil Kinder einen Raum brauchen, in dem sie sich selbst wahrnehmen können.

Ohne Bewertung.

Ohne den Blick von außen.

Ohne das Gefühl, gefallen zu müssen.


Warum „einfach auswählen“ nicht reicht


Doch selbst das allein reicht noch nicht.

Wenn Kinder einfach nur auswählen, passiert die Entscheidung oft aus dem Kopf heraus.

Schnell.

Oberflächlich.

Geprägt von dem, was sie gewohnt sind.

Genau hier setze ich an.

Ich arbeite in diesem Moment mit Fragen. Aber nicht mit Fragen, die zum Nachdenken anregen.

Sondern mit Fragen, die zum Fühlen führen.


Der Moment, in dem sich alles verändert


Und plötzlich verändert sich etwas.

Der Blick wird ruhiger. Die Entscheidung klarer.

Und dann passiert etwas, das man nicht erzwingen kann:


Das Kind erkennt sich selbst.


Das Bild, das wirklich zählt


In diesem Moment entsteht ein anderes Bild.

Nicht das perfekte Bild. Nicht das schönste Bild.

Sondern das, in dem das Kind spürt:


„Das bin ich.“


Warum dieses Bild an die Wand gehört


Für mich ist genau dieses Bild entscheidend.

Weil es mehr ist als eine Erinnerung.

Es ist ein Spiegel.

Ein Anker.

Ein Gefühl, das bleibt.

Und genau deshalb gehört dieses Bild nicht ins Handy.

Es gehört an die Wand. Dorthin, wo das Kind ihm jeden Tag begegnet.

Ganz selbstverständlich. Ohne bewusst darüber nachzudenken.

Und sich dabei immer wieder selbst sieht.


Vielleicht geht es bei Kinderfotos nicht darum, Kinder einfach entscheiden zu lassen.

Sondern darum, ihnen den Raum zu geben, sich selbst zu erkennen.

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