Warum Freundschaften unserer Kinder sichtbar sein sollten
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Unzählige Freundschaften auf dem Handy. Und keine an der Wand.
Die Schlafzimmertür öffnet sich. Meine Tochter ist gerade aufgestanden. Noch halb verschlafen und ein kurzer Gang auf die Toilette und schon ist er da. Der erste Griff zum Handy. Wer hat in der Gruppe geschrieben? Gibt es Neuigkeiten? Eine typische Routine am Samstagmorgen. Sie ist 12 Jahre alt. Ich verstehe sie, denn wahrscheinlich wäre ich genauso gewesen. In diesem Moment kommt in mir immer wieder ein Gedanke hoch. Was wäre, wenn sie zu einer Wand gehen würde, an der ihre Freunde hängen. In meiner Vorstellung sagt sie zu mir, Papa ich möchte mich gerne mit meiner Freundin treffen. Das klingt natürlich sehr utopisch und doch löst es in mir Unbehagen aus. Irgendwie fühle ich mich wie ausgeschlossen. Denn ich sehe nie die Bilder mit ihren Freunden. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht mal wie einige ihrer Freundinnen aussehen. Ich kenne ihre Namen, aber kaum ihre Gesichter.
Die Handys meiner Töchter sind gefüllt mit unzähligen Fotos mit Freunden. Liegt es an meiner Tochter oder liegt es an mir? Ich könnte sie fragen und mache es nicht. Handys sind ein wichtiger Bestandteil im Leben geworden. Sie helfen uns zu organisieren, sich auszutauschen und Erinnerungen festzuhalten. Ich liebe es und doch bleibt vieles auf den Geräten. So wie bei mir selbst.
Wenn wir uns gedruckte Bilder gemeinsam mit anderen Menschen anschauen, geschieht etwas Magisches. Wir fangen an zu kommunizieren. Wir reden über die Erinnerungen. Über die Menschen, die uns wichtig sind.
Was würde sich verändern, wenn im Zimmer deiner Kinder Bilder ihrer Freunde hingen?
Wir würden automatisch beginnen Fragen zu stellen.
Wie geht es ihnen?
Wann habt ihr Euch das letzte Mal getroffen?
Hast du schon eine Geschenkidee?
Wir treten in einen Dialog und nehmen die Freundschaften unserer Kinder ernst. Sie wiederum fühlen sich bestätigt und bestärkt. Für mich ist das eine Eintrittskarte in ihre Gefühlswelt. Wir lernen ihren Freundeskreis kennen. Das beruhigendes Gefühl zu wissen, dass unsere Kinder anerkannt werden.
Was ist wenn sich Freundschaften verändern? Bilder sind nicht fest mit den Wänden verbunden. Sie können entfernt und ausgetauscht werden.
Dennoch sollten wir die Kinder nicht manipulieren. Es sind ihre Freundschaften. Und die sollten wir auch respektieren.
Diese Art von Gesprächen hätte ich mir damals als Kind und Jugendlicher gewünscht. Vielleicht wäre die eine oder andere Freundschaft geblieben.
Sichtbarkeit schafft Austausch.
Austausch schafft Nähe.
Nähe schafft Vertrauen.
Bilder können der Zugang zur Gefühlswelt deiner Kinder sein.



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