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Warum Freundschaften im Alltag unsichtbar werden

Ein schwarzes Analogbild bei dem die Farbe im Bild verblasst.

Freundschaften verschwinden nicht. Sie verblassen mit der Zeit.


Im Laufe meines Lebens habe ich viele Menschen kennengelernt. Wenn ich heute in mein Handy schaue, sehe ich über tausend Kontakte. Familie, Kollegen, Kunden und Bekanntschaften füllen meine Kontaktliste. Doch wenn ich ehrlich bin, bleibt nur eine kleine Handvoll Menschen übrig, die ich wirklich als Freunde bezeichnen würde.


Wenn Erinnerungen wieder auftauchen


Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich an meinem Rechner und sortiere digitalisierte Analogbilder aus vergangenen Zeiten. Kita-Bilder, Schulbilder, Momente, die längst in Vergessenheit geraten sind. Auf diesen Bildern entdecke ich Menschen, mit denen ich damals befreundet war. Menschen, die mir viel bedeutet haben. Und doch haben sich unsere Wege über die Jahre getrennt. Das stimmt mich nachdenklich. Und ja, es macht mich auch traurig.


So wie die Farben analoger Bilder mit der Zeit verblassen, fühlt es sich für mich an, als hätte ich auch die Farbe aus manchen Freundschaften gedreht. Ich frage mich, was ich hätte anders machen sollen.


Was im Alltag keinen Platz hat, wird leiser


Vielleicht lag es an der fehlenden Sichtbarkeit. An der fehlenden täglichen Erinnerung an diese Freundschaften. Kein Bild, das mich daran erinnert, jemanden anzurufen. Kein Impuls, sich zu treffen oder bewusst Zeit miteinander zu verbringen.


Beim Betrachten meiner Bilder fiel mir auf, dass die Aufnahmen aus der Kita-Zeit anders auf mich wirken als die Bilder aus meiner Jugend. In der Zeit meiner Pubertät gibt es im Verhältnis deutlich weniger Fotos. Natürlich lag das auch daran, dass wir uns als Jugendliche ungern fotografieren ließen. Und trotzdem sind es genau diese Bilder, die das Fortbestehen von Freundschaften im späteren Leben fördern können.


Die Bedingungen haben sich verändert. Heute ist Fotografieren jederzeit möglich. Doch die Digitalfotografie hat dieses Problem nicht verschwinden lassen.


Reicht es, Erinnerungen im Handy zu lassen?


Vielleicht liegt es daran, dass wir den Freundschaften unserer Kinder zu wenig Aufmerksamkeit schenken.


An meinen Töchtern wird mir das immer wieder bewusst. Sie schätzen ihre Freundschaften sehr. Und doch muss ich sie immer wieder daran erinnern, diese festzuhalten. Reicht es nicht, einfach Fotos mit dem Handy zu machen? Grundsätzlich ist es egal, wie Bilder entstehen. Doch meistens bleiben sie auf dem Smartphone. Wir greifen darauf zurück, wenn wir Lust auf Erinnerung verspüren. Und leider ist es oft zu spät.


Es liegt nicht an der emotionalen Qualität dieser Bilder. Auch nicht an der hormonellen Resonanz. Oft liegt es an der visuellen Qualität. Sie entscheidet darüber, ob ein Bild sichtbar wird, ob es einen Platz im Alltag bekommt – oder nicht.


Warum Kinder ein Wir-Gefühl brauchen


Wie gehe ich also als Vater damit um?

Schon oft habe ich meinen Kindern angeboten, ein professionelles Fotoshooting mit ihren Freunden zu machen. Kostenlos. Ohne Erwartungen. Doch aus ihrer Sicht war nie der richtige Zeitpunkt. Manchmal frage ich mich, ob ich mehr Druck hätte ausüben sollen.


Vielleicht geht es aber gar nicht um Druck. Vielleicht sollten wir unsere Kinder vielmehr dazu ermutigen, die Bilder vom Handy auszudrucken. Ihnen einen Platz zu geben. An der Wand, im Alltag. Möglichkeiten gibt es viele. Mehrere Bilder im gleichen Kontext können die visuelle Qualität erhöhen – und damit auch ihre Wirkung.


Was folgt daraus?


Freundschaften werden sichtbar. Sie erinnern täglich an gemeinsame Erlebnisse. Sie laden dazu ein, sich zu treffen. Sie stärken das Gefühl von Zusammengehörigkeit.


Doch der entscheidende Punkt geht noch tiefer. Kinder müssen sehen, dass sie nicht allein sind. Sie brauchen keinen Kampfsport, um sich zu behaupten. Sie brauchen ein Wir-Gefühl, um in unserer heutigen Gesellschaft bestehen zu können.


Damit Freundschaften nicht verblassen


Ich kann meinen alten Bildern keine Farbe mehr hinzufügen. Aber ich kann vorangehen. Ich kann Menschen dabei helfen, ihre Bilder bewusster zu nutzen. Ihre Wirkung zu verstehen. Die richtigen Bilder sichtbar zu machen.


Damit Freundschaften nicht verblassen.


Ein schwarz-weißes Jugendbild aus dem Fotoautomaten von drei Freunden.

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